In Zukunft wird es nicht immer leicht

Name: Maria | Alter: 22 | Maschinenring: Wittelsbacher Land | Festangestellt auf ihrem elterlichen Betrieb | Ausbildung: 2017 – 2020 zur Landwirtin | Social Media: Instagram

Was waren deine ersten Gedanken als du den Anruf vom Maschinenring bekommen hast, dass es einen Einsatz für dich gibt?

Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, immerhin wusste ich ja nicht wirklich, was auf mich zukommt. Andererseits wusste ich, dass ich einer Familie in einer Notsituation helfen konnte. Mit diesen gemischten Gefühlen bin ich dann auf den Betrieb gefahren.

Wolltest du schon immer eine Zeit lang als Betriebshelferin arbeiten?

Mit dem Gedanken habe ich schon länger gespielt. Meine Mama hatte mal eine kleine Verletzung und war alleine dadurch in ihrer Arbeit eingeschränkt. Da ist mir noch bewusster geworden, welche Arbeiten aufgefangen werden müssen, wenn jemand ausfällt. Ich habe dann im Sommer des vergangenen Jahres beim Maschinenring in Aichach angerufen. Damals hatte der Maschinenring keinen Einsatz für mich als Neuling. Ein Viertel Jahr später kam dann der Anruf, dass ich gebraucht werde.

Wie läuft das bei dir zu Hause im Betrieb, wer fängt die Arbeit auf, wenn du im Einsatz bist oder musst du alles nacharbeiten?

Ich würde behaupten, dass wir auf unserem Betrieb Zuhause sehr gut aufgestellt sind. Jeder weiß, welche Aufgaben anfallen und wie sie erledigt werden. Deshalb ist es kein Problem bei uns. Das finde ich übrigens wichtig und gut, auch für andere Betriebe. Es kann immer passieren, dass von jetzt auf gleich jemand ausfällt. Gerade bei tierhaltenden Betrieben kann die Arbeit nicht einfach liegen bleiben. Kühe müssen gemolken und gefüttert, Kälber getränkt werden.

Wie bist du mit der Vergütung zufrieden, ist sie angemessen?

Im Grunde schon angemessen, auch der allgemeine Vorteil der Flexibilität ist super. Aber wenn man öfter Einsätze mit schweren Schicksalsschlägen hat, bei denen dann entsprechend noch mehr Verantwortung zu tragen ist – betrieblich, familiär, psychisch -, ist der Stundenlohn manchmal nicht angemessen.

Wie sieht deine Zukunft aus? Beruflich und auf dem eigenen Betrieb?

Feststeht, dass ich ab September dieses Jahres die Meisterschule für zwei Jahre besuche. Danach gehe ich vielleicht noch auf die höhere Landbauschule in Triesdorf. Auch der Grundkurs in Herrsching oder Grainau könnte in Frage kommen, wenn es zeitlich reinpasst. Am Ende steht natürlich das große Vorhaben, dass ich als Hofnachfolgerin den Betrieb meiner Eltern übernehme.

Als Betriebshelferin muss Maria modernste Stalltechnik der verschiedensten Hersteller bedienen können.

Du warst schon bei vielen verschiedenen Betrieben – zukunftsfähige, auslaufende; Gibt es hier einen Unterschied zwischen den Familien?

Manchmal komme ich zu Betrieben, die durch einen Schicksalsschlag hart getroffen werden und dadurch zum Beispiel keinen Hofnachfolger haben. Andere Betriebe überlegen, wie sie noch weiterwachsen können – entweder durch Vergrößerung des bestehenden Betriebszweiges oder durch einen weiteren Betriebszweig. Bei manchen Betrieben steht fest, dass die Zukunft nicht mehr lange dauert. So unterschiedlich wie die Betriebe sind, so verschieden sind auch die Familien dahinter. Das lässt sich also nicht wirklich verallgemeinern.

Hast du dir das wirklich gut überlegt, Betriebshelferin zu werden?

Definitiv ja. Denn ich kann mir für meinen Betrieb zuhause sehr viel abschauen, egal ob positiv oder negativ. Ich kann von jedem Betrieb etwas lernen und mitnehmen, was ich daheim umsetzen oder noch verbessern könnte. Es sind sehr viele Kleinigkeiten, die im Gesamten viel positiven Nutzen für mich haben.

Ich wollte immer schon einen praktischen Beruf erlernen, deshalb habe ich mich vor fünf bis sechs Jahren entschlossen, dass ich den Betrieb zuhause weitermachen möchte. Bis ich den komplett übernehme, möchte ich noch viele Erfahrungen sammeln.

Hast du Angst vor dem Höfesterben?

Ja, leider auch hier ein definitives Ja.

Es ist ungewiss, in welche Richtung die Landwirtschaft in den nächsten Jahrzenten geht, da muss ich mir die Frage stellen: „In welche Richtung will ich gehen und welche ist für mich die richtige?“

Gründe dafür sind nicht nur, dass es in manchen Betrieben keine Hofnachfolger gibt, sondern auch, dass es mit den vielen gesetzlichen Auflagen, die die Landwirtschaft mittlerweile aufgedrückt bekommen hat, immer schwieriger wird. Wenn das so weiter geht, ist es für viele Betriebe in Zukunft nicht mehr zu stemmen.

Glaubst du, dass die Digitalisierung in der Landwirtschaft dir irgendwann die Arbeit nimmt?

Nein, das geht definitiv nicht!

Gerade in Betrieben mit Tieren wird das nie der Fall sein. Das menschliche Auge wird immer für die Tierüberwachung benötigt werden. Es ist auch zum Beispiel mit der Technik eines Melkroboters nicht abgetan, dass ich hier nicht mehr zweimal täglich 365 Tage im Melkstand stehen muss. Ich bin die gleiche Zeit im Stall, überwache Tiere und die Technik. Ich kann mir die Stallzeit lediglich flexibler einteilen. Ich habe nicht weniger Arbeit, sie verändert sich nur. Aber das ist leider in der Theorie und Praxis etwas unterschiedlich.

Auch in der Außenwirtschaft wird es nie ganz ohne ein menschliches Auge gehen. Auch da muss kontrolliert und nach dem Rechten geschaut werden.

Was würdest du sofort an deinem Aufgabenfeld ändern, wenn du es könntest?

Aufklärung an alle Nicht-Landwirte über das Berufsbild Betriebshelferin, Dorfhelferin, über unseren Beruf ganz allgemein.

Das wird leider oft runtergeredet als Hilfskraft oder als Hilfsarbeiter. Viele wissen gar nicht was alles hinter dem Berufsbild steckt – eine Person, die die Verantwortung für einen kompletten Betrieb hat und das nicht nur als Landwirt, sondern auch als Gärtner, Pflanzenschützer, Tierpfleger, Techniker, Mechaniker, Geologe und Unternehmer.

Betriebs,- und Dorfhelferinnen müssen den ausgefallenen Landwirt und Betriebsleiter in einer Notsituation auch manchmal ganz ersetzen.

Wo drückt der Schuh am meisten?

Die fehlende Wertschätzung und das Verständnis von vielen Nicht-Landwirten.

Ich will als Betriebshelferin auf einem Einsatzbetrieb genauso gute Arbeit leisten, wie auf meinem Betrieb zuhause. Ich denke, das wünscht sich jeder Einsatzbetrieb von mir. Dazu gehört auch ganz viel Verantwortung. Und eben auch das Verständnis und die Wertschätzung der Bevölkerung, die nicht aus der Landwirtschaft kommt. Wenn ein Landwirt zum Beispiel nach 18.00 Uhr oder am Wochenende im Sommer bei der Ernte noch etwas mehr Lärm macht und die Feierabend-Ruhe gestört wird.

Oder zum Beispiel in der Tierhaltung, dort fehlt mir oft die Akzeptanz und das Vertrauen des Verbrauchers uns Landwirten gegenüber. Wir sind alle gut ausgebildet und wollen nur das Beste für unsere Tiere.

Auch das Miteinander unter den Landwirten fehlt mir manchmal, besonders dass man nicht gegeneinander arbeitet, sondern miteinander und auf Augenhöhe und Respekt.

Zum Beispiel, wenn ein Betrieb mit den hinzukommenden Auflagen der aktuellen Markt- oder Privat-Situation Probleme hat. Dass dieser von den anderen Berufskollegen unterstützt wird. Mich würde es freuen, wenn die Betriebe ganz selbstverständlich zusammenhelfen würden.


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One Reply to “In Zukunft wird es nicht immer leicht”

  1. Hallo Maria und @maschinenring,
    ein sehr schönes, authentisches Interview ist das!!! Und ja wir brauchen auch Betriebshelfer! Ein sehr umfangreiches Tätigkeitsfeld hast du dir rausgesucht! Mit Höhen und Tiefen! Gerade wenn du, wie du sagst, zu den Familien kommst, die schwere Schicksalsschläge getroffen haben. Ich stelle es mir sehr schwer vor. Und ja es hat auch die so sehr positive Seite von Abwechslung, Leute kennen lernen, mit Tier, Mensch und Natur ganz stark in Berührung zu kommen!!! Toll!
    Ja und auch beim Thema Höfe-Sterben muss ich dir Recht geben, es ist bedrohlich. Wenn man doch bedenkt, dass in Deutschland eine der sichersten Lebensmittelproduktion stattfindet; und mit der aktuellen Politik, immer noch eins drauf gehaut wird, vor allem auch in Puncto Natur-und Umweltschutz, der Landwirt, so scheint es am meisten gut zu machen hat… ich sag nur Ausbau der zweiten Säule der Agrarpolitik und brannt-aktuell: Insektenschutzgestz; hoffen wir, dass die Mahnfeuer und Demo in Berlin etwas bewirkt; Weil ohne deutsche Landwirtschaft holt Deutschland irgendwann alle Lebensmittel aus dem Ausland: von dort wo, auf Tierwohl, Umweltschutz, Lebensmittelsicherheit etc. nicht so großer Wert gelegt wird wie bei uns; vor allem ist gerade auch in Amerika ( von dort werden ja auch viele Lebensmittel importiert) ein viel größerer Spielraum hinsichtlich Pflanzenschutz möglich——> das alles wird in den Lebensmitteln mit importiert (obwohl es natürlich Rückstandskontrollen gibt und natürlich Sicherheitsfaktoren in die Aufwandtmengen von Pflanzenschutzmittel seitens der Wissenschaft auch dort(Amerika) einkalkuliert werden; verglichen zu Deutschland lässt aber Deutschland weniger zu und ist mit dem ganzen Bürokratismus einfach strenger) ich frage mich, was die Politik eigentlich erreichen möchte: keine deutsche Landwirtschaft und Produktion vom Ausland —>hier würde ein erhöhter Import von Lebensmittel ja auch wiederum schlecht für die CO 2 Bilanz sein ….

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