Familienmanagerin auf Zeit

Der Arbeitstag von Nicola beginnt mit einem vollgestellten Küchentisch bei Familie Middelhoff. Irgendeiner wird das Geschirr schon wegräumen, abwaschen und alles wieder sauber machen. Normalerweise ist dieser Jemand Silke Middelhoff. Denn die Kinder dürfen endlich wieder in die Schule, der Ehemann ist bereits wieder im Stall verschwunden. Nur die selbstständige Tiermedizinerin bleibt zurück, denn seit vier Wochen ist sie ein ganzes Stück weniger selbstständig.

 Es ist erst der dritte Arbeitstag von Nicola bei der Familie Middelhoff im nordrhein-westfälischen Emsdetten. Trotzdem bewegt sich die 41-jährige zielsicher durch den Haushalt. Nach 20 Minuten deutet nichts mehr auf das Familienfrühstück hin, Tisch und Küche sind fertig geputzt. „Ich freue mich einfach, dass ich wirklich helfen kann“ sagt Nicola, als sie gerade den Stöpsel aus dem Waschbecken zieht. Nicola ist keine Putzkraft, sondern Haushaltshilfe. Würde man ihrem Berufsbild einen modernen Namen geben, dann wäre es wohl so etwas wie Familienmanagerin auf Zeit. Und genau so eine benötigt Familie Middelhoff gerade.

Silke Middelhoff, die selbstständige Tiermedizinerin, war auf einem Ausritt mit ihrem Pferd. Das wurde unruhig, „kam ein bisschen ins Straucheln und dann ging es ganz schnell“. Die Folge: Ihr linkes Bein bricht unter der Last des Pferdes. Das Bein, so sagen es ihr die Ärzte, soll sie in den kommenden Wochen gar nicht belasten oder bewegen. Mit Krücken, einem Gips und der Frage, wer jetzt das Familienleben regelt, verlässt sie das Krankenhaus. Dort warten ihr Mann, und zwei ihrer vier Kinder. Ihr Mann ist Landwirt, Betriebsleiter und einziger Mitarbeiter auf seinem Schweinemastbetrieb. Sein Arbeitstag dauert nicht selten zwölf Stunden, manchmal sogar mehr. Silke Middelhoff weiß, dass er für wenige Tage einige Aufgaben im Haushalt erledigen kann, aber nicht auf Dauer. Er schlägt vor, dass sie beim Betriebshilfsdienst des Maschinenrings nachfragen soll: „Dort haben wir zum Glück Hilfe gefunden.“

Diese Hilfe heißt im Fall von Familie Middelhoff seit drei Tagen Nicola von Tils. Die Haushaltshelferin ist beim Maschinenring festangestellt und sorgt mit ihrer Arbeit dafür, dass Haushalt und landwirtschaftlicher Betrieb weiterlaufen können, wenn ein Teil der Familie ausfällt. Wie bei Familie Middelhoff sind Haushalt und Betrieb eng miteinander verbunden. Fällt auf einer der beiden Seiten jemand aus, hat das unweigerlich Auswirkungen auf den anderen Teil. Um diese Schieflage zu verhindern, schicken bundesweit Maschinenringe und Betriebshilfsdienste ihre Helferinnen in die Familien.

In Deutschland wird das Wort Haushaltshilfe oft als Synonym für Putzfrauen verwendet, was falsch ist. Menschen wie Nicola sind kein Luxus für gestresste Berufstätige, sondern Helferinnen in der Not. Nicolas Einsatz wird nicht von der Familie, sondern von der landwirtschaftlichen Sozialversicherung SVLFG oder der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Dazu kommt, dass Nicola „Teil der Familie wird“, wie sie es selbst sagt. Auch Silke Middelhoff sagt das so. Denn Nicola hilft nicht einfach nur gerne und das mit Herz und Seele, sie hat den Beruf auch gelernt.    

Ihre Ausbildung hat sie als Hauswirtschafterin im städtischen Bereich abgeschlossen. Sie ist Spezialistin für die hauswirtschaftliche Pflege und Versorgung. Sie kann nicht nur kochen, sie kann auch eine gesunde Essensplanung für die Familie erstellen und dabei aufs Budget achten. Sie schmeißt nicht einfach nur den Haushalt, sie integriert sich in den Familienalltag, betreut Kinder oder die im Haus lebenden Senioren. Genau das unterscheidet sie von Putzkräften, die für eine kurze Zeit kommen und den ihnen zugewiesenen Bereich in Ordnung bringen.

Nicola hat mittlerweile die Wäsche der Familie gebügelt, jetzt saugt sie Wohnzimmer und Küche durch. Es mag komisch und wenig modern klingen, aber die Arbeit macht ihr Spaß. Ob sie alte Rollenklischees erfüllt? „Nein“ sagt sie und klingt dabei energischer, als sie vielleicht wollte. Denn so wie hier, so ist es eben noch in vielen Bauernfamilien: Der Mann leitet den größten Teil des Betriebs, die Frau übernimmt die Mehrarbeit in der Familie. „Und wenn alle mit dieser Aufteilung zufrieden sind, dann ist das absolut in Ordnung, dann gibt es daran auch nichts zu kritisieren.“

Um als Haushaltshilfe arbeiten zu können, gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten. Der erste Weg führt über die dreijährige Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Hier sind die beruflichen Wege vielfältig, da eine gelernte Hauswirtschafterin in nahezu allen Bereichen der Pflege und der privaten wie gewerblichen Hauswirtschaft eingesetzt werden kann. Der zweite Weg führt über die Landwirtschaftsschulen und die ihnen angegliederten Abteilungen für die ländliche Hauswirtschaft. Auch der Weg über die Familienbildungsstätten ist möglich. Hier werden in unterschiedlicher Dauer Fertigkeiten und Fachwissen im Bereich Ernährung und Haushaltsführung vermittelt.

Das letzte, was Nicola heute für Familie Middelhoff machen muss, ist das Mittagessen. Silke Middelhoff geht auf Krücken, kochen kann sie so nicht, ihr Mann hat dafür keine Zeit. „Ohne mich würde es wohl nur Tiefkühlpizza geben“ sagt Nicola, während sie Hähnchen-Curry zubereitet. Sie deckt gerade den Tisch, als die beiden Kinder, die noch zuhause wohnen, aus der Schule kommen. Für Nicola ist es ein bisschen schade, dass sie die Kinder bei diesem Einsatz fast nicht zu Gesicht bekommt, „dafür gibt es andere Einsätze, wo ich mitten im Gewusel einer großen Familie bin.“ Hier enden ihre vier bewilligten Stunden pro Tag. Den Rest kann die Familie allein stemmen, das gebrochene Bein von Silke Middelhoff ist zum Glück kein schwerer Schicksalsschlag.

Aber auch das kann Nicola bei ihren Einsätzen passieren. „Mal sind es freudige Anlässe wie eine Geburt, es kann aber auch sein, dass ich in ein echtes Familiendrama gehen muss“ erklärt sie. Auch Nicola hat ein Pferd, das besucht sie fast täglich. Hier kommt sie runter, kann abschalten vom Familienalltag anderer Menschen. „Ich bin über einen längeren Zeitraum täglich bei den Familien“ sagt sie, während sie ihr Pferd von der Koppel führt, „das ist oft schön, kann aber auch richtig stressig sein“. Genau deshalb braucht sie ihr Pferd und die Ruhe hier. Nachdem sie es in seine Box gebracht hat, geht es auch für sie nach Hause. Ob sie jetzt noch Lust hat auch bei sich die Wäsche zu machen, zu putzen und zu kochen? Nicola lacht herzlich, mit der Frage hat sie gerechnet. „Meistens schon, aber manchmal – da bin ich ganz ehrlich – lasse ich dann auch mal was bis zum nächsten Tag liegen.“

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