Du musst dich manchmal auch beweisen


Ronja arbeitet als Betriebshelferin für den Maschinenring Weißenburg-Gunzenhausen. Die gelernte Landwirtin und angehende Meisterin findest du auch auf Instagram: Ronja Hinterbuchner

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Du kommst regelmäßig auf neue Betriebe: Wie verhältst du dich, was könntest du falsch machen?

Auch mit einem Vorgespräch weiß ich eigentlich nichts über die Betriebe und die Familie. Für manche mag das abschreckend wirken, mich reizt das. Ich lasse mir den Betrieb und seine Arbeitsabläufe zeigen und schaue, was für Charaktere in der Familie sind. Und der größte Fehler? Ich glaube, wenn ich als „oberschlau“ daherkomme.  Das bin ich nicht und das käme auch nicht gut an.

„Oberschlau“ bist du nicht, aber du bist eine sehr gut ausgebildete Fachfrau. Du kannst einen Betrieb führen, dafür wirst du ja schließlich auf die Höfe geschickt.

Richtig, ich bin ausgebildete Landwirtin und habe drei Jahre lang die moderne Landwirtschaft gelernt. Trotzdem würde ich nie auf einen Betrieb kommen und denken oder so tun, als wüsste und könnte ich alles. Schließlich lernen wir Menschen unser ganzes Leben oder sollten das zumindest tun. Als Betriebshelferin lerne ich eigentlich wöchentlich etwas Neues.

Trauen dir die Betriebsleiter direkt zu, dass du als junge Frau ihren Hof übernimmst.

Die meisten ja. Ich wurde aber auch schon von oben bis unten angeschaut mit dem Fazit: „Naja ob das was werden kann…“. Vielleicht weil ich frisch aus der Lehre kam, vielleicht weil ich eine junge Frau bin, vielleicht weil ich gemachte Fingernägel habe, vielleicht auch einfach alles. Mich hat das damals hart getroffen. Da war sogar ich sprachlos.

Meinst du, dass das ein Grund sein könnte, weshalb sich manche gegen ein paar Jahre als Betriebshelfer entscheiden?

Auf jeden Fall ist das einer der Gründe. Viele haben Angst vor negativen Erfahrungen oder sind Gewohnheitstiere. Egal ob gute oder schlechte Erfahrungen, ich bin für jede einzelne Erfahrung dankbar. Natürlich kommt es vor, dass ich mal zweifel, aber das Leben ist nicht  immer schön und einfach. Ich finde Erfahrungen und Erlebnisse machen uns doch zu dem, was wir sind.

Hast du damals gezweifelt?

Ich weiß nicht, ob ich wirklich an allem gezweifelt habe. Aber mich hat das damals wirklich mitgenommen. Ich weiß auch nicht, ob der Landwirt das in mir auslösen wollte oder aus seiner Sicht einfach ehrlich war. Rückblickend kann ich aber sagen: Er hat sich geirrt, ich konnte sehr wohl seinen Betrieb weiterführen und wir stehen heute noch in gutem Kontakt.

Du klingst ziemlich stolz, wenn du das sagst.

Das bin ich auch. Als junger Betriebshelfer musst du dich am Anfang immer wieder beweisen, als junge Betriebshelferin oft noch ein Stück mehr. Auch meine Familie steht voll hinter mir. Mein Papa wollte immer eine Tochter, die sich vor andere Jungs stellen und sagen kann: So wird es gemacht. Und die hat er bekommen. Allgemein halten wir bei uns zuhause zusammen, auch wenn es mal Probleme gibt. Diesen Zusammenhalt wünsche ich jeden Betrieb, da es das Arbeiten und das Leben um einiges erleichtern kann.

Vermutlich kommst du in Familien, wo es nicht so läuft?

Leider ja, das gehört dazu. Bei den Familien, wo das so ist, verläuft meistens ein Graben zwischen den Generationen, die sind manchmal richtig zerstritten.

Wie gehst du damit um, immerhin bis du einige Wochen, manchmal auch länger, nahezu täglich bei ihnen auf dem Betrieb?

Einerseits versuche ich das alles nicht zu sehr an mich heranzulassen. Als Betriebshelferin ich muss wirklich einfühlsam sein, auch mal zuhören können, aber ich bin eben auch keine Therapeutin. Je nachdem wie das Verhältnis ist, spreche ich eines der Familienmitglieder bei einer passenden Situation auch mal an, frage wie es der Person wirklich geht. Da sind auch schon mal Tränen geflossen.

Ist das die Regel?

Das ist die Ausnahme. Die meisten Einsätze verlaufen anders, viele sogar sehr herzlich. Aus einem Einsatz ziemlich in meiner Nähe ist eine echte Freundschaft entstanden. Ich wurde dort mal zum Grillen eingeladen und als wir dann zusammensaßen, hat plötzlich eine Kuh gekalbt. Ich habe dann bis tief in die Nacht mitgeholfen – aus Freundschaft. Für solche Momente und Bekanntschaften bin ich unendlich dankbar.

Kühe haben es dir sowieso angetan.

Ohja, mit Kühen hat es wohl auch seinen Lauf genommen. Ich hatte mich mit 13 Jahren in Braunvieh schockverliebt. Mit der Erlaubnis meiner Eltern habe ich mir dann ein Kalb kaufen dürfen. Es gab nur eine Bedingung: Ich war damals faul, mein Zeugnis sah also nicht so super aus. Auf dem nächsten Zeugnis durfte keine vier mehr stehen, sonst hätte ich das Kalb wieder abgeben müssen.

Das hat geklappt?

Das hat geklappt. Und auf meine kleine Braunviehherde bin mächtig stolz.

Du möchtest nur ein paar Jahre als Betriebshelferin arbeiten – was sind deine Pläne?

Erstmal ist es mir wichtig, dass es nicht so rüberkommt, als wäre die Zeit als Betriebshelferin eine Notlösung. Ich nutze diese Zeit, um viel zu lernen und auch ein Stück weit mich selbst zu finden. Mein Ziel für meine Zukunft ist es, jung eine Familie zu gründen, gerne mit einem Partner, der genauso in die Landwirtschaft verliebt ist wie ich selbst. Beruflich möchte ich selbst gerne junge Leute in der Landwirtschaft ausbilden, nachdem ich meine Weiterbildung zur Meisterin erfolgreich beendet habe. Ich würde auch gerne Kindergartenkinder oder Schulklassen auf einen Bauernhof einladen. Ich finde, selbst die Kleinsten sollten wissen wie schön und vielseitig die Landwirtschaft ist.

Was würdest du einem der Auszubildenden am Ende der Lehre raten?

Mach mindestens ein Jahr Betriebshelfer, egal ob festangestellt oder freiberuflich. Du lernst und siehst so viel in dieser Zeit. Und vor allem lernst du, dass du nicht allein bist mit deinen Sorgen, Ängsten aber auch Wünschen und Zielen. Das kann einen jungen Menschen wirklich die Augen öffnen und auch den eigenen Betrieb einen Schritt weiterbringen.

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