Meine Arbeit verändert etwas

Name: Bernadette | Alter: 21 | Ausbildung: Drei Jahre staatlich anerkannte Assistentin für Ernährung und Versorgung, zwei Jahre Fortbildung zur Dorfhelferin, aktuell macht sie die Weiterbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin | Social Media: Instagram

Bernadette ist Dorfhelferin in der bayerischen Region Oberland.

Du kommst in viele Familien und – Hand aufs Herz – in manchen sind die Kinder sicher nicht immer „pflegeleicht“. Wie gehst du mit anstrengenden Kindern um?

Ich hatte mal eine Familie, da war wirklich Leben im Haus, viel Leben. Als Dorfhelferin komme ich von außen in die Familie, das war und ist mein Vorteil. Ich habe den Kindern zum Beispiel erklärt, wann und wieso sie bei mir und auch bei ihrer Mama ordentlich an der Hand laufen müssen. Das hat dann auch funktioniert.

Klingt jetzt noch nicht wirklich nach anstrengenden Kindern.

Oh doch, die konnten richtig aufdrehen. Ich habe ihnen dann klar gemacht: „Wenn ihr mich nervt, dann nerve ich euch genauso.“ Sie mussten dann mit mir backen. Dabei habe ich ihnen erklärt, was Hefeteig ist, wie er wirkt und plötzlich standen die beiden mucksmäuschenstill neben mir und haben zugehört.

Dafür, dass du selbst noch keine Kinder hast, klingt das ziemlich geübt.

Gelernt ist das bessere, das richtige Wort. Ich habe drei Jahre lang meine Ausbildung als Hauswirtschafterin gemacht. Danach noch weitere zwei Jahre die Ausbildung zur Dorfhelferin. Auch wenn einige das fälschlicherweise glauben: Ich habe viel, viel mehr als nur Putzen und Kochen gelernt.

Was lernt eine Dorfhelferin denn alles?

Ich vereine mehrere Berufe in mir. Ich kann einen großen Haushalt führen und betriebswirtschaftliche Aspekte im Auge behalten, ich war in Kindergärten und Pflegeheimen, hatte Psychologie in der Schule, Krankenpflege stand ebenso auf dem Lehrplan. Ich kann sofort im Stall mit Milchvieh arbeiten, beherrsche Landmaschinen und was ich nicht kann, das kann ich lernen.

Als Dorfhelferin kümmert sich Bernadette regelmäßig um die Kleinsten bei Mensch und Tier.

Das brauchst du alles als Dorfhelferin?

Jeden einzelnen Aspekt davon. Wenn ich in einen Haushalt komme, dann werde ich dort dringend gebraucht. Ich werde für die Zeit, die ich dort bin, tatsächlich ein Teil der Familie. Es liegt in meiner Verantwortung, dass der Familienalltag nicht in sich zusammenfällt und das der landwirtschaftliche Betrieb fortgeführt werden kann.

Du bist 21 und das ist ganz schön viel Verantwortung. Fällt dir das schwer?

Zum Glück nicht, das verdanke ich aber meinem schon immer offenem Wesen und meiner selbstbewussten Art. Das braucht es auch einfach für diese Arbeit.

Was muss eine Dorfhelferin noch an menschlichen Wesenszügen haben?

Sie muss vor allem auch einfühlsam sein. Sie muss selbstständig, flexibel und auch mutig sein. Schließlich geht sie oft mehrmals pro Monat in einen anderen Haushalt. Außerdem muss sie die Arbeit mit Menschen lieben. Jede Familie ist anders und in jede Familie muss sich eine Dorfhelferin einleben können.  

Wie meinst du das?

Grundlegend – und das ist mir wirklich wichtig – freuen sich alle Familien auf mich. Die übergroße Mehrheit ist mir auch ehrlich dankbar. Genau das macht mich auch so glücklich mit meinem Beruf. Aber natürlich hatte auch ich schon mal einen Einsatz, wo ich ganz klar ausgenutzt wurde.

Das heißt, der Betriebsleiter hat was von dir verlangt?

Das war bisher die absolute Ausnahme, aber ich sollte zweimal am Tag rund vier Stunden händisch ausmisten – obwohl ein Traktor auf dem Hof war. Ich habe das Gespräch mit dem Landwirt gesucht, aber das hat nicht gefruchtet. Der Maschinenring stand hinter mir und hat mich abgezogen. Das war bisher das erste und letzte Mal, dass ich so einen Einsatz hatte.

Anpacken, die Arbeit sehen, sie erledigen, als wäre es ihr eigener Betrieb: Das ist der Arbeitstag einer Dorfhelferin.

Die guten Seiten überwiegen also?

Absolut! Es ist wirklich richtig toll, wenn die Kinder an den Essenstisch rennen und da schon sagen, wie lecker das von mir gekochte Essen aussieht. Wenn die Seniorin mir aufrichtig zu verstehen gibt, wie dankbar sie für die Zeit ist, die ich mir für sie nehme. Wenn der Betriebsleiter am Abend sagt, dass er ohne meine Hilfe in existenziellen Schwierigkeiten wäre, dann weiß ich, wie wichtig und unverzichtbar meine Arbeit ist.

Erzähl doch mal von einem ganz konkreten Erlebnis, das dir in Erinnerung geblieben ist.

Auf einem Betrieb mussten die Fenster geputzt werden. Vermutlich bin ich der einzige Mensch, der Fensterputzen liebt. Ich habe mir dann noch die beiden Kinder geschnappt, habe die Musik aufgedreht und wir hatten einen Mordsgaudi.

Gibt es Schattenseiten an deinem Beruf?

Ich würde eher sagen: Es gibt Herausforderungen. Ich selbst hatte noch nicht so einen Einsatz, aber natürlich kommen Dorfhelferinnen auch in Haushalte, in denen sich eine Tragödie abspielt oder abgespielt hat. Wenn uns das nahe geht, dann können wir an Supervisionen teilnehmen. Auch so stehen sowohl das KDBH wie auch der Maschinenring hinter uns. Und die Kolleginnen natürlich auch.

Du brennst wirklich für deinen Beruf, oder?

Ich wusste schon als Jugendliche: „Das will ich machen, das füllt mich aus.“ Meine Cousine ist Dorfhelferin, ich wusste was mich erwartet. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich fahre jeden Tag so gerne in die Arbeit, auch wenn mal drei oder vier Einsätze parallel laufen, weil ich weiß, dass ich wirklich gebraucht werde. Meine Arbeit macht wirklich einen Unterschied. Das kann nicht jeder von sich behaupten.

Wenn die Mama ausfällt, übernimmt Bernadette die Kinderbetreuung.
Selbstbewusst war sie schon immer. Für ihre Arbeit eine wichtige Charaktereigenschaft.

One Reply to “Meine Arbeit verändert etwas”

  1. Das ist ja ein toller Beruf. Koennte auch so.eine Dorfhelferin hier in Brasilien gebrauchen, da hier eindeutig die Oma fehlt. Koennen einen Austausch starten ähnlich Aupair. Wer bietet diese Ausbildung eigentlich an? Die Maschinenringe?
    Liebe Gruesse aus Londrina/Parana

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